10.04.2017

Kampagne eröffnet, Wirtschaftsgrundlagen beleuchtet

Frühjahrsempfang der ÖDP Würzburg widmete sich der Bundes- und Kommunalpolitik

Vor den Plakaten der neuen Kampagne beim Frühjahrsempfang, von links nach rechts: Kreisvorsitzende Dagmar Dewald, Stadtrat Heinz Braun, Stadträtin Christiane Kerner, Referent Bernhard Suttner und Fraktionsvorsitzender Raimund Binder. Foto: Georg Grund.

Bernhard Suttner bei seinem engagierten Vortrag. Foto: ÖDP

„Wo drückt der Schuh? – zuhören, ernst nehmen, handeln“ ist der Titel einer Aktion von ÖDP-Fraktion im Stadtrat und ÖDP-Kreisverband, die ÖDP-Fraktionsvorsitzender Raimund Binder beim Frühjahrsempfang am vergangenen Freitag, den 7. April 2017, vorstellte. Binder präsentierte die neuen Plakate der Kampagne und erläuterte vor 60 Zuhörern im Würzburger Rudolph-Alexander-Schröder Haus, dass dieses Motto als „Grundlage unseres politischen Verständnisses“ das Handeln von Partei und Fraktion seit Jahren bestimmten. Die Stadträte gehen oft auf Einladung von Bürgern in die Stadtteile und setzten deren Anliegen im Stadtrat durch Anfragen und Anträge um. Schwerpunkt seien Umwelt und Verkehr sowie aktuelle Brennpunkte. So war man bei den Steinlein- und Dallenberg-Anwohnern, in Versbach, Lengfeld und der Zellerau, wo Bauprojekte die Bürger verunsichern.
In der Stadtratsarbeit analysieren und hinterfragen die ÖDP-Stadträte Sachverhalte, suchen nach neuen Lösungen und wachen über die Umsetzung. Dies mag selbstverständlich klingen, ist es aber laut Binder in der politischen Landschaft nicht. Eher erlebe man pauschales Urteilen aus festgefahrenem Schwarz-weiß-Denken heraus, ohne die Bereitschaft zuzuhören oder Dinge in Frage zu stellen.
Fortgeführt werde die wirksame ÖDP-Bürgerarbeit in Bürgerinitiativen wie jetzt bei „Grüner Platz am Theater“ oder in der Klimaallianz, wo Fraktion und Kreisverband stark zusammenwirken.
Binder nannte als Ziele der ÖDP-„Schuh“-Aktion, die über den Bundestagswahlkampf hinaus gehe, „die Menschen wieder abzuholen und damit der Politikverdrossenheit und Politikerverdrossenheit zu begegnen“. Wahrhaftigkeit und Transparenz sowie das Einstehen für Werte seinen dabei wichtige Eckpunkte.

Als Hauptredner des Abends führte der ehemalige Bay. Landesvorsitzende der ÖDP, Bernhard Suttner, unter dem Titel „Mensch vor Profit“ in die Gemeinwohlökonomie ein. Ausgangspunkt sei die Frage, was es heiße, „gut zu leben“. Dies habe schon allein durch Art. 1 des Grundgesetzes Geltung für alle Menschen dieses Planeten und die ganze Biosphäre, woraus sich für die Wirtschaft globales Denken und Handeln ableite. Der Redner zitierte aus der Umweltenzyklika von Papst Franziskus. 
Anhand von sieben Grundbedürfnissen skizzierte Suttner dann Eckpunkte verantwortlichen Wirtschaftens. Ein Bedürfnis sei Gerechtigkeit, was bedeute: Jedem das Seine unter der Wahrung von Selbstwirksamkeit. Daher ist Suttner auch skeptisch gegenüber einem Grundeinkommen, sondern plädierte für die Anerkennung bislang finanziell nicht gewürdigter, aber gesellschaftlich wichtiger Arbeit, so der Sorgearbeit für Angehörige, was sich in Entlohnung durch ein Familieneinkommen niederschlagen müsse. Dies sei notwendig auch im Hinblick auf die Rente und sorge wirksam für die Erfüllung des Bedürfnisses nach Sicherheit, was Grundlage stabiler Beziehungen ist, eines weiteren Bedürfnisses.

An dem dichten Vortrag, der jetzt zum Herunterladen bereitsteht (s. unten), entzündete sich eine rege Diskussion. Vor allem junge Menschen beklagten große Unsicherheit und Mehrfachbelastung, die Familie und Beziehungen erheblich einschränke. ÖDP-Kreisvorsitzende Dagmar Dewald wies darauf hin, dass die Forderung von Ministerin Schwesig nach jeweils 30 Wochenstunden Erwerbstätigkeit für beide Partner eine faktische Erhöhung der Familienerwerbstätigkeit und damit weniger Zeit für Kinder bedeute: „Familienpolitik ist nur noch Wirtschaftspolitik ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse kleiner Kinder, die vor allem Bindung brauchen.“ Gerade die jungen Leute rief Dewald auf, genau hinzusehen, was man ihnen verkaufen wolle.
Im Anschluss nutzten die Besucher die Möglichkeit, mit den ÖDP-Politikern Einzelgespräche zu führen.