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Stadiongesellschaft genau beleuchten

Für eine positive Entscheidung sind noch zu viele Fragen offen

Am 29. September 2016 wurde im Stadtrat eine Beschlussvorlage zur Stadiongesellschaft der Würzburger Kickers diskutiert.
Im Wesentlichen lagen den Stadträten folgende Eckpunkte vor:

1. Eine noch zu errichtende Stadiongesellschaft übernimmt die Sanierung, den Ausbau und den Unterhalt des Sportstadions am Dallenberg.
2. Es wird erwartet, dass die überwiegende Finanzierung der Stadiongesellschaft und die überwiegende Beteiligung an der Stadiongesellschaft durch den FC Würzburger Kickers e.V. und/oder private Dritte übernommen werden. Die Stadt Würzburg strebt dabei eine Minderheitsbeteiligung an.
3. Die Stadiongesellschaft verpachtet das Sportstadion am Dallenberg an eine noch zu gründende Stadionbetriebsgesellschaft oder einen privaten Dritten.
4. Ziel ist nach Übernahme des Stadions mindestens ein ausgeglichenes Ergebnis der Stadiongesellschaft. Der Aufwand der Stadiongesellschaft soll durch die Einnahmen (v.a. Pacht und Namensrechte) gedeckt sein. Für die Nutzung durch den Profisport sind Marktpreise zu zahlen. Dies ist für den Spielbetrieb in den drei höchsten Spielklassen des deutschen Fußballs nachzuweisen.
5. …. geeignete Nachweise …..
6. Die Grundstücke der Trinkwasserversorgung Würzburg …..
7. Für die Investitionen in die Infrastruktur des Stadions mit Umfeldmaßnahmen leistet die Stadt Würzburg an die Stadiongesellschaft über geeignete Maßnahmen einen Beitrag von bis zu 7 Mio. ...über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren.
8. …unter dem Vorbehalt der rechtliche Rahmen für kommunale Beteiligungen,
9. Ein diskriminierungsfreier Zugang …
10. Bau- und Sicherheitsrechts ….
11. Es ist ein Gesellschaftsvertrag der Stadiongesellschaft mit folgenden Eckpunkten vorzubereiten:

Soweit die Vorlage der Verwaltung.

Fraktionsvorsitzender Raimund Binder eröffnete zunächst die Debatte und fragte, „über was abgestimmt werden solle, da „allzu oft die Konjunktivform“ in der Vorlage verwendet werde.  Beispiele seien: Es wird erwartet… man strebt dabei an … soll gedeckt sein… Grundstücke können… Parkplatz soll nicht… Optional können…. Diese vagen Formulierungen kommen nach immerhin viermonatiger Befassung mit dem Thema. Deshalb stellte folgende Fragen, die leider in der Debatte nicht beantwortet wurden:
1. Wie hoch ist der Bedarf insgesamt? Wir haben keinen Finanz- bzw. Ausgabenplan vorgelegt bekommen. Die Stadträte wissen nicht, wie sich die 15 Millionen, die man angeblich braucht, zusammensetzen.
2. Wir wissen nicht, was passiert, wenn die Kickers wieder absteigen und die marktübliche Pacht (was heißt das überhaupt?) nicht mehr zahlen können.
3. Kann es also passieren, dass die Stadionbetreibergesellschaft auf eine Miete – in Paderborn waren das 750.000 Euro - verzichtet und dann alle Aufwendungen alleine schultert? Mit ungeahnten Auswirkungen für die Stadt?
4. Was ist mit Folgekosten, wie z.B. der von Kickers-Verantwortlichen erwähnten Pflicht zur teilweisen Überdachung des Stadions – sind diese Kosten berechnet? Wer trägt sie?
5. Warum werden Kosten für ein Parkdeck auf dem Dallenbergparkplatz nicht eingerechnet?
6. Was ist, wenn sich private Investoren zurückziehen? Sitzt die Stadt dann auf der Gesellschaft oder wird diese aufgelöst? Traut sich das dann jemand?
7. Wie ist also gesichert, dass wir maximal die in Anschlag gebrachten 7 Millionen über die 15 Jahre zahlen? Oder ist es vielmehr so, dass wir bei Misserfolgen ein Problem ungeahnten Ausmaßes haben und wir uns als Stadt in einer "Spirale" befinden (wie das der Kämmerer schon einmal in diesem Zusammenhang formuliert hat), aus der wir nicht mehr heraus kommen?
8. Zudem müssen wir, um vergaberechtliche Vorschriften zu erfüllen, eine öffentliche Zweckbestimmung konstruieren, von der wir wissen, dass es sie so eigentlich nicht gibt. Das bedeutet aber den Zwang zu Veranstaltungen aller Art mit weiteren Problemen.

Aus diesem Grund lehnte er und Fraktionskollegin Christiane Kerner den Beschluss ab und stimmte mit Nein, da
1. die Auswirkungen kurz-, mittel- und langfristig nicht bekannt seien,
2. nicht klar sei, ob eine dauerhafte Verpflichtung entstehe,
3. nicht klar sei, welchen Einfluss die Stadt habe.

ÖDP-Fraktionskollege Heinz Braun stimmte den Argumenten grundsätzlich zu, sah in der Vorlage aber keinen Beschluss, sondern lediglich einen Arbeitsauftrag für die Kämmerei, den er billigen wollte. Diese hat nun den Auftrag, einen Gesellschaftsvertrag mit den Kickers auszuarbeiten, der dann wiederum dem Stadtrat vorgelegt wird.
Dieser kann dann endgültig zustimmen oder auch ablehnen.
Braun betonte, dass er die Beteiligung an einer Stadiongesellschaft grundsätzlich für einen gut gangbaren Weg hält. Es komme aber auf die Ausgestaltung des Vertrages an, wie etwa:
- Höhe der Beteiligung,
- was sind marktübliche Mietpreise für den Profisport,
- Welche Maßnahmen im Umfeld sind durch die Beteiligung abgedeckt, (Bspw. Parkdeck),
- wie und welche öffentliche Nutzung wird es geben,
- wie schaut ein verbindlicher Investitionsplan und verlässlicher Businessplan als Grundlage der Beteiligungssumme aus.
- Gibt es eine „Ausstiegsklausel“ usw.
Braun hält eine angemessene Beteiligung an dem Stadion auch für eine Investition in die Infrastruktur und das Wir-Gefühl der Stadt. Es ermögliche vielen Würzburgern, schöne Stunden zu verbringen. Auch eine Große Spielstätte hält er für eine Stadt wie Würzburg für durchaus angemessen. Die Bekanntheit der Kickers sei auch ein weicher Standortfaktor, der an anderen Stellen (Tourismus, Gastronomie, Wirtschaft) wieder Geld in die Stadt bringe. Wenn man Fußball als Teil der Stadtkultur sehe, sei auch die Summe im Verhältnis bspw. zum Theater (ca. 50 Mio.) durchaus vertretbar.

Die endgültige Zustimmung machte Braun also von der Ausgestaltung des Gesellschaftsvertrags abhängig. Ein unabsehbares Risiko dürfe allerdings für die Stadt nicht entstehen.


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