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Multifunktionsarena: Zustimmung unter Vorbehalt

Stellungnahme der ÖDP Fraktion

Auf der Brachfläche hinter dem ICE soll die Multifunktionsarena gebaut werden.

1. Wir sind nach wie vor für die Errichtung einer Multifunktionsarena in Würzburg, gerade im Hinblick auf die Träger- und Betreiberschaft einer Stiftung bzw. einer externen Gesellschaft. Anders als bei einem Fußballstadion werden hier große Teile der Bevölkerung durch Konzerte, Tagungen, Basketball- und andere Spiele erreicht. Die Bedeutung für die Stadt als Tourismusort kann gestärkt werden.
2. Die finanzielle Beteiligung der Stadt kann dabei einen Maximalbetrag nicht überschreiten; wir setzen diesen bei ca 5-10 Millionen Euro an. Mehr kann sich die Stadt nicht leisten. Dies muss klar kommuniziert werden.
3. Die vorliegende Änderung des Flächennutzungsplans und des Bebauungsplanes mit den Gutachten im Bereich Umwelt, Klima, Boden, Verkehr etc. legt jetzt erstmals eine detailierte Machbarkeit an der Stelle Grombühlbrücke vor. Bis lang gab es diese Informationen nicht.
4. Die ÖDP Fraktion hat ihre Fragen und Bedenken, die zu einer Ablehnung führen könnten, wenn die nachfolgend genannten Punkte nicht im Prozessverlauf ausgeräumt werden:

a) Die „Klimatische Einschätzung“ - wie sie im Gutachten vom 29.3.18 vom Ingenieursbüro Burghardt und Partner vorgenommen werden, lassen eine so massive Bebauung an dieser Stelle nicht zu oder nur nach weiterer intensiver Prüfung.
Zitat: „Das Planungsgebiet liegt mittig in einer für Würzburg wichtigen Luftleitbahn zwischen Main und dem nordöstlichen Siedlungsrand der Stadt.“…“Es werden die Bezirke Altstadt, Grombühl, Lindleinsmühle und Lengfeld durch die vorhandene Luftleitbahn geschnitten bzw. durchzogen und beeinflusst.“… „Das Planungsgebiet liegt innerhalb einer räumlichen Engstelle der vorhandenen Luftleitbahn“… „Bei den bereits durchgeführten Baumaßnahmen „Studentenwohnheim“ und „Novum“ ist von einer entstandenen Verschlechterung der Durchlüftung auszugehen. Die zusätzliche Bebauung durch die Multifunktionsarena wird zu einer weiteren Verringerung der Durchlüftungs- und Leistungspotentials der Luftleitbahn führen“.
Fazit: „Eine zusätzliche Einbringungen von massiven baulichen Strömungshindernissen ist im Kontext dieser generellen Beurteilung nicht zu empfehlen“.
 Aufgrund dieses klar beschriebenen Effektes und angesichts der tropischen Temperaturen und Luftverhältnisse in der Stadt gerade in den letzten Wochen, sind weitere Untersuchungen anzustellen, wie sie auch im Gutachten gefordert werden.
 Danach wird unter Einbezug der Neubauten „Studentenwohnheim“ und „Novum“ entschieden

b) Der ganze Komplex der Arena wird in das vorhandene Grundstück förmlich hinein gezwängt! Das merkt man an mehreren Stellen der Vorlage! Deshalb müssen auch „auskragende Teile“ im Bereich der Pleichach zugelassen werden, da sonst der Platz offenbar nicht reicht. Die optimale ÖPNV-Anbindung und die Brachfläche an dieser Stelle, die nicht anderweitig verwertet werden kann, sprechen trotzdem für den Standort.

c) Das Verkehrsgutachten zeigt die Situation, wie sie heute schon ist, deutlich auf:
Zitat: „Der Engpass am Kreisverkehr Berliner Platz ist schon im Istzustand während der Nachmittagsspitze gegeben“… „den schon in der heutigen Situation stark belasteten Kreisverkehr“
 Wieso der Gutachter dann aber bei weiter zunehmenden Verkehr durch die Arena (Tagungen , Konzerte) zum Schluss kommt, dass „keine Veränderung des Verkehrsablaufs aufgrund der Neuverkehre der Halle zu erwarten sind“, bleibt sein Geheimnis.
 Immerhin werden lt. Gutachten 30 % der Verkehre bei Tagungen über den Ring abgewickelt! Zusätzlich zum bisherigen!
 Es wird empfohlen bauliche Maßnahmen am Knoten Haugerring/Berliner Platz vorzunehmen – welche sollen das sein? Was bringen die? An dieser Stelle wurde schon im Rahmen der anderen Baumaßnahmen „gebastelt“ und keine Verbesserung gebracht.
Die Mitnutzung der Talavera – Parkfläche wird als absolutes Muss betrachtet, übersieht aber die jetzt schon große Nutzung und teilweise Überlastung des gesamten Bereiches bei Veranstaltungen! Wer zahlt einen Shuttleservice, wie er empfohlen wird, von der Talavera zur Halle?

Ein funktionierendes Parkleitsystem, dass die „Verkehrsteilnehmer frühzeitig über die Belegung informiert“ wird angemahnt. Das gibt es nicht. Es gibt noch nicht mal einen aktuellen Plan, wo die Anzeigen überall stehen (ÖDP Antrag aus 2018 dazu).

Es wird empfohlen, dass das Parkhaus an der Halle „ausschließlich als VIP-Parkhaus“ genutzt wird. Wie wird das geregelt, wie erfährt die Masse der Konzertbesucher davon? Parksuchverkehre sind zu erwarten, die einzig über die neu errichtete Brücke der Kohlenhofstraße fließen sollen. Wiese wird keine weitere Anbindung im Bereich Europastern angedacht, bzw. aus welchen Gründen vorschnell verworfen? Es sei „aus städtebaulicher und verkehrlicher Sicht nicht sinnvoll“ – eine Begründung wird nicht geliefert.
Die Fußgängerverbindung zum/vom Hauptbahnhof sollte hinter dem Studentenwohnheim erfolgen. Das ist richtig, aber offenbar nicht vorgesehen, warum nicht?

d) Pleichach: Lt. Gutachten ist „mit dem Gewässerlauf …eine lineare räumlich wirksame Grünstruktur vorhanden, die stadtgestalterische Funktionen übernehmen … und für eine Aufwertung des Areals dienen kann“  dazu wird es aufgrund der räumlich engen Gegebenheiten nicht kommen, man verpasst die Chance einer Zugänglichmachung der Pleichach für die Öffentlichkeit. Die auch in der Konzeptstudie zum Studentenwohnheim aufgezeigten Maßnahmen sind nicht erfolgt!

Aus all den genannten Gründen kann man derzeit der Multifunktionsarena nur unter Vorbehalt an dieser Stelle zustimmen, d.h. die drängenden Fragen und Probleme müssen noch geklärt werden.


Raimund Binder

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